Jahr: 2017

Martin Walser: Statt etwas oder Der letzte Rank

Walser, der letzte Rank

Wenn du selber nur noch die Wahrheit sagen kannst, bist du unter Menschen nicht mehr möglich.

Wenn man dem Strom der literaturkritischen Kommentare folgt und Martin Walsers Roman Statt etwas oder Der letzte Rank, will man ihn denn noch als Roman bezeichnen, als Schlüsseltext liest für die biographischen Zusammenhänge, die man zu erkennen glaubt, dann treten sie alle wie Lemuren in Erscheinung, die Personen und Ereignisse, die, wie man annimmt, Walser zu Walser machten, der schier allmächtige Marcel Reich-Ranicki, der ungnädige Frank Schirrmacher, die kaum liebenswürdigere Felicitas von Lovenberg, die Debatte nach der einschneidenden Paulskirchenrede, und dann erscheint der Ich-Erzähler in gespreizter Rechtfertigungseitelkeit, der mit seiner Verletzlichkeit kokettiert, sich in die Luther-Pose des „Hier stehe ich …“ wirft und das unverstandene Opfer mimt, und seine erotischen Phantasien, wenn man sie denn so nennen will, erscheinen wie ein Herr Tur Tur, der beim Näherkommen die Statur eines Zwerges annimmt, oder wie eine leidlich schöne Frau, der man, als sie aus der Dusche steigt, den Bademantel in der Vorfreude hinhält, ihr ihn bald wieder nehmen zu können, die aber das griffbereite Badetuch nimmt, sich darin einwickelt, den Raum und schließlich, wenig später, das Haus verlässt, während man selbst immer noch da steht, leidlich hilflos, mit dem Bademantel in der Hand – und man fühlt sich als Leser gelangweilt und verstimmt.…

Henning Mankells „Sofia“-Trilogie

Mankel, Sofia-Trilogie

Henning Mankells Gesamtwerk umfasst deutlich mehr als 50 Romane, Erzählungen, Dramen und Essays. Die zahlreichen Drehbücher, Audioproduktionen, verstreut publizierten Texte und Interviews sind dabei noch unberücksichtigt. Bei dieser Fülle kann man leicht den Überblick verlieren. Deshalb wundert es nicht, wenn immer wieder versucht wird, das Werk zu ordnen. Möglich sind gleich vielerlei Kategorien.…

Volker Kutscher: Der nasse Fisch Der Schenkerin und dem Kaffeehaussitzer zum Dank

Volker Kutscher, Der nasse Fisch

Wer ist Gereon Rath?

Bevor ich Uwe Kalkowskis Besprechung zu Volker Kutschers 6. Gereon-Rath-Krimi Lunapark (2016) gelesen hatte, hätte ich bei dieser Frage abwinken müssen. Ich hatte auch frühere Besprechungen des Kaffeehaussitzers zu dieser Krimi-Reihe und sein Interview mit dem Autor nicht wahrgenommen. Es war mir entgangen, leider. Durch den Lunapark-Beitrag aber geriet Volker Kutscher in mein Blickfeld.…

Was bleibt, was liegen blieb 2016 Erinnerungsbericht zu Bewahrtem, Liegengebliebenem und Weggelegtem

Liegengebliebenes 2016

Es ist immer wieder eine eigentümliche Mischung aus Neugier und aus Erstaunen, die mich befällt, wenn ich Rückblicke auf das Lesejahr 2016 lese. Da ist zunächst alle Jahre wieder die ebenso bewundernde wie zweifelnde Wahrnehmung, was da von Bloggern im Laufe des Jahres allein mengenmäßig weggelesen worden ist. Herr Booknerd hat dazu, während dieser Beitrag entsteht, auf Twitter eine durchaus spannende Frage gestellt.…