Kategorie: kurz gefasst

Iwan-Michelangelo D’Aprile: Fontane – kurz gefasst

d'Aprile, FontaneAnders denn als großen Wurf kann man d’Apriles Biographie des großen Schriftstellers kaum bezeichnen. Das gilt erst recht, wenn man sie vergleicht mit Regina Dieterles voluminösem Fontane-Buch. Dort eine an eine Personen und Personenverhältnisse orientierte Darstellung, die sich in der Fülle des Kleinteiligen immer wieder zu verlieren droht, hier die Beschränkung auf die Schriftstellerbiographie, die eingebettet wird in die politischen, sozialen und okönomischen Entwicklungen des 19.…

Sy Montgomery: Einfach Mensch sein. Von Tieren lernen – kurz gefasst

Der Untertitel der Originalausgabe ist durchaus doppelsinnig: „A Memoir in Thirteen Animals“. Sy Montgomerys Buch ist sowohl Lebensbericht wie auch Denkschrift. Die Naturforscherin und Erfolgsautorin erzählt in Episoden von ihrer Begegnung mit Tieren ganz unterschiedlicher Art und aus ganz unterschiedlichen Phasen ihres eigenen Lebens. So erfährt der Leser nicht nur etwas über die Hündin Molly in Montgomerys Kindheit, sondern ebenso über den Hermlin im Hühnerstall wie über Hausschweine, australische Emus, tropische Spinnen oder Baumkängerus in Papua-Neuginea und eine Reihe anderer Tiere.…

Rainer Moritz: Matratzendesaster – kurz gefasst

Literatur und Sex scheinen von je her ein schwieriges Verhältnis zueinander zu haben. Wenn nach der Lektüre von Rainer Moritz‘ Buch der Eindruck nicht trügt, dann hat zwar die explizite literarische Darstellung sexueller Handlungen seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts zugenommen. Wenig geändert aber hat sich offensichtlich die Schwierigkeit, über Sexuelles literarisch überzeugend sprechen zu können.…

Regina Dieterle: Theodor Fontane – kurz gefasst

Denis Scheck nutzte gleich zweimal die Gelegenheit, um für diese groß angelegte Fontane-Biografie die Trommel zu rühren. In Lesenswert lud er die Verfasserin zum Gespräch, in Druckfrisch stellte er selbst die Biografie begeistert vor. So viel Wirkung in die Breite für Fontane zu ermöglichen, mag freuen, allein die Biografie Regina Dieterles wird so viel Euphorie nicht gerecht.…

Michel Houellebecq: Serotonin – kurz gefasst

Ist nicht zumindest für’s Erste alles über diesen Roman gesagt? Kann man sich überhaupt noch eine andere Postion erlesen als die der Meisterwerkbeschwörung, der Radikalablehnung oder der Langeweilebekundung? Jedenfalls kann man sich kurz fassen.

Der Roman erzählt im konkreten wie im übertragenen Sinne einen Road-Trip. Der Ich Erzähler, Florent-Claude Labrouste, bewegt sich in einem Mercedes-Geländewagen G 350 durch den Norden Frankreichs und durch die Niederungen seiner Depression.…

Schreiben lernen im Sozialismus – kurz gefasst

Das Institut für Literatur „Johannes R. Becher“ sei, so die Verlagsankündigung eine „Schlüsselinstitution der DDR-Literaturhistorie“ gewesen. Allerdings, und das sollte zugleich erwähnt werden, wurde es von der Literaturwissenschaft weder während seines Bestehens, noch nach dem Ende der DDR als solche wahrgenommen – bisher. Dass sich das zu ändern vermag, belegt die Studie von Isabelle Lehn, Sascha Macht und Katja Stopka eindrucksvoll.…

Peter Härtling: Der Gedankenspieler – kurz gefasst

Besser kurz gefasst als unerwähnt! Für Peter Härtlings letzten Roman Der Gedankenspieler, den er selbst schon nicht mehr hatte endredigieren können, trifft das in besonderer Weise zu. Vor geraumer Zeit schon gelesen, zum zeitnahen Darüberschreiben nicht gekommen, drohte dem Buch ein Schicksal, das wohl vielen Büchern Härtlings ereilen wird: es droht sehr weit in den Hintergrund zu geraten.…

Mick Herron: Slow Horses – kurz gefasst

Mick Herron

Der Roman beginnt furios, so wie man es von einem Spionagethrilller erwartet, so wie man es aus James-Bond-Filmen kennt. Das Interessante aber ist, dass dieser Spannungscatcher ins Leere läuft. River Cartwright, Agent des britischen Inlandsgeheimdienstens MI5 vermasselt eine Aktion, es kommt zu einer Katastrophe in der Londoner U-Bahn; genauer: es käme zu einer Katastrophe, wäre das Ganze nicht eine Übung gewesen.…

Christian Adam: Der Traum vom Jahre Null – kurz gefasst

Adam, Stunde Null

Christian Adam knüpft zeitlich unmittelbar an sein Buch Lesen unter Hitler (2010) an. Er schreibt keine (weitere) Geschichte der Höhenkammliteratur der Nachkriegszeit. Ihn interessiert, was gelesen wurde und auf welche Weise Leseangebote ermöglicht oder erschwert wurden. Dabei wirft er einen breit streuenden Blick auf den aus den Trümmern sich entwickelnden Literaturbetrieb dieser Zeit, auf Verlagsgeschichten und auf das Leseverhalten der Bevölkerung.…