Schlagwort: Diogenes

Ian McEwan: Die Kakerlake

Fragmente eines ungehaltenen Gesprächs

Hier und da habe ich das auch gelesen. Es scheint ja auch so zu sein, denn im April erschien in Großbritannien Maschinen wie ich und schon ein halbes Jahr später Die Kakerlake. Aber was heißt das schon? Es wird so getan, als sei die Entstehungssdauer ein Kriterium für einen gelungenen oder eben misslungenen Roman.…

Ian McEwan: Maschinen wie ich

Zwischen 2012 und 2015 produzierte die schwedische Fernsehanstalt SVT zwei Staffeln einer Serie, die unter dem Titel „Real Humans“ auch international durchaus erfolgreich war. Im deutschen Fernsehen lief sie bei Arte. In insgesamt 20 Folgen leuchtet die Serie, die in einer nahen Zukunft in einer schwedischen Kleinstadt spielt , mit viel erzählerischer Geduld und unter weitgehendem Verzicht auf reißerische Effekte die Frage aus, was passiert, wenn Mensch und menschenähnliche Roboter ihren Alltag miteinander teilen.…

Katrine Engberg: Blutmond

Engberg, Blutmond

Wer einen Krimi liest, erwartet, insofern die Aufklärung eines Verbrechens und nicht dessen Entstehung im Vordergrund steht, auch Persönliches über die Ermittler zu erfahren. Gerade in Krimireihen werden deren Lebenszusammenhänge und Entwicklungen zum Bindeglied zwischen den einzelnen Büchern und Fällen. Ja, man kann vielleicht sogar behaupten, dass solche Erzählkonstruktionen zum Erfolgsrezept gehören und mittlerweile den klassischen Detektivroman haben in den Hintergrund treten lassen.…

Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht

Kent Haruf, Unsere Seelen bei Nacht

Kent Haruf, ohnehin lange Zeit außerhalb der USA nur ein literarischer Geheimtipp, gehörte auch dann noch zu jenen Autoren, die ich bestenfalls am Rande wahrnahm, nachdem er auch international zum anerkannten Schriftsteller und Bestseller geworden war. Was hatte ich mitbekommen? Ein US-amerikanischer Autor, kein umfangreiches Werk, seine Romane spielen alle in einer Kleinstadt irgendwo in einem der westlichen Staaten.…

Katrine Engberg: Krokodilwächter

Engberg, Krokodilwächter

Es muss sein, immer noch und immer wieder. Wenn auch in unregelmäßigen Abständen, doch zuverlässig kommt sie hoch, die Lust, einen Kriminalroman zu lesen. Die Erwartung, die dabei entsteht, ist in sich widersprüchlich. Man erhofft sich leichtere Lesekost, das wenn möglich aber bitte als Haute Cuisine. Man möchte sich in der Spannung verlieren können, aber bitte doch nicht so, dass sie einem den Schlaf raubt.…

Bernhard Schlink: Olga

Schlink, Olga

„Sie macht keine Mühe, am liebsten steht sie und schaut.“

Überlegungen, die sich um erste Sätze ranken, sind Legion. Letztere sind bekanntlich von besonderer Bedeutung und haben, sind sie wohl überlegt gesetzt, das Potential, einen langen Roman zu strukturieren.Schlinks erster Satz aus einem neuen Roman Olga wird wohl nicht in die Reihe der schönsten Romananfänge eingehen.…

Ian McEwan: Nussschale

McEwan, Nussschale

Ein Embryo als bürgerlicher Intellektueller? Oder doch eher ein bürgerlicher Intellektueller als Embryo?

In einem Punkt lässt der Ich-Erzähler überhaupt keinen Zweifel: Er sieht sich in der Nachfolge Hamlets, des Dänenprinzen. Schon das Motto des Romans, in dem McEwan aus dem Shakespeare-Drama zitiert, lässt daran keine Zweifel:

Oh Gott, ich könnte in eine Nussschale eingesperrt sein und mich für einen König von unermesslichem Gebiete halten, wenn nur meine bösen Träume nicht wären.