Schlagwort: Gesellschaftsroman

Theodor Fontane: Stine

Fontane macht es seinen Leserinnen und Lesern nicht leicht – damals nicht und heute erst recht nicht. Irritierte die Zeitgenossen wohl eher eine sich auf äußerster Schwundstufe entwickelnde Handlung, so erschwert uns Heutigen der voraussetzungsschwere Anspielungsreichtum die Lektüre. Ohne erläuternde Kommentare ist Stine selbst für den an historischen Vorkenntnissen reichen Leser kaum noch mit Genuss und Freude lesbar.…

Kent Haruf: Ein Sohn der Stadt

Zu Beginn des Romans fährt ein roter Cadillac über den Highway 34 auf die Main Street von Holt, dieser aus allen Romanen Kent Harufs bekannten, fiktiven Kleinstadt in Colorado, und parkt dort. Sofort ploppen Bilder des Vertrauten auf, der Leser ist wieder da, wo er schon einmal war. An dem Ort, den er kennt oder zu kennen meint, weil ja schon Vorstellungsbilder da sind, seien sie jetzt zurückgewonnen aus den vorherigen Romanen, seien sie generiert aus den anderweitig medial vermittelten Klischees einer typischen amerikanischen Kleinstadt mitten … – und das kann man auch topographisch nahezu wörtlich nehmen – mitten in den Vereinigten Staaten.…

Heinrich Mann: Der Untertan

Mann, Unertan

Vorbemerkung

Im November 2016 rief Birgit Böllinger auf ihrem Blog Sätze & Schätze ein sehr schönes Projekt ins Leben, das unter dem Hashtag #MeinKlassiker reichlich Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte. Zurecht, wie im finde. In insgesamt 35 Beiträgen stellten Blogger ‚ihre‘ Klassiker vor. Deren Spektrum reicht vom frühen 17. Jahrhundert bis in die Gegenwartsliteratur hinein und umfasst unterschiedliche Gattungen und Genres.…

Norbert Scheuer: Am Grund des Universums

Wer von Kall aus zur Staumauer eines der Stauseen des Wasserbands Eifel-Rur fahren möchte, legt knapp zwanzig Kilometer zurück. So seenreich die Nordeifel aufgrund der Stauseen und Rückhaltebecken auch ist, in unmittelbarer Nähe von Kall sucht man ein solches Gewässer vergeblich. Zumindest in der Umgebung des real existierenden Eifelstädtchens findet sich nichts dergleichen.…

Theodor Fontane: Effi Briest

  1. Einführung
  2. Eine später Begegnung
  3. Frühe Uneindeutigkeiten
  4. Vor dem Gespräch
  5. Das Gespräch
  6. Was bleibt
  7. Nachlese

Mein Leben mit Innstetten

Meistens merkt man es ja nicht in dem Augenblick oder in der, relativ gesehen, kurzen Zeitspanne, in der ein Buch gelesen wird, sondern man bemerkt es erst später, dass ein literarischer Text, ein Roman, zu einem Lebensbuch geworden ist.…

Robert Menasse: Die Hauptstadt

Menasse, Die Hauptstadt

Das kann auch ins Auge gehen. Literarische Texte, die eine klar erkennbare Intention haben, die sich lesen lassen als Plädoyer für oder gegen etwas, laufen Gefahr, dass ihnen das genuin erzählerische Moment abhanden kommt, dass sie im ungünstigen Fall etwas Traktathaftes bekommen. Dann fragt man sich als Leser, warum der Autor denn nicht besser ein Sachbuch geschrieben hätte oder einen Essay.…

Juli Zeh: Unterleuten

Zeh, Unterleuten

Im Regelfall bin ich nicht verlegen, eine eindeutige Gefallensäußerung oder ein Urteil über einen literarischen Text zu formulieren. Bei Juli Zehs Unterleuten tue ich mich aber, das muss ich gestehen, schwer. Ob dieses Zögern auch etwas mit dem Umstand zu tun hat, dass ich vier Wochen benötigte, um den Roman zu Ende zu lesen?…