Schlagwort: Jugendliche

Theodor Fontane: Grete Minde. Nach einer altmärkischen Chronik

Fontane, Grete Minde

Die Erinnerung trügt, fast immer. Dieser Umstand ist von solcher Gewissheit, dass es schon fast peinlich wirkt, wenn jemand meint, darauf einmal mehr hinweisen zu müssen. Was anderes aber ist der Moment, in dem das Trügerische der Erinnerung bewusst wird. Ein Zögern entsteht, sei es in der Bewegung, die gerade ausgeführt wird, sei es in dem Satz, den man aussprechen will und nicht zu Ende bekommt, sei es im Gedanken, den man nicht halten kann.…

Jan Costin Wagner: Sakari lernt, durch Wände zu gehen

Jan Costin Wagner, Sakari

Heiß ist es in diesem Sommer in Turku an der Südwestküste Finnlands. Ein junger Mann legt seine Kleidung ab und steigt in einen Brunnen, mitten in der Stadt, unmittelbar bei einem großen Einkaufszentrum. Er hat ein Messer bei sich. Beim Polizeieinsatz geht etwas schief. Einer der beteiligten Polizisten, Petri Grönholm, steigt in den Brunnen, um den offensichtlich verwirrten jungen Mann zu beruhigen.…

Henning Mankells „Sofia“-Trilogie

Mankel, Sofia-Trilogie

Henning Mankells Gesamtwerk umfasst deutlich mehr als 50 Romane, Erzählungen, Dramen und Essays. Die zahlreichen Drehbücher, Audioproduktionen, verstreut publizierten Texte und Interviews sind dabei noch unberücksichtigt. Bei dieser Fülle kann man leicht den Überblick verlieren. Deshalb wundert es nicht, wenn immer wieder versucht wird, das Werk zu ordnen. Möglich sind gleich vielerlei Kategorien.…

Joakim Zander: Der Bruder

Zander, Der Bruder

Der Berliner Literaturwissenschaftler und Publizist Walter Delabar schilderte kürzlich die Beobachtung, dass das Krimi-Genre von einer „Empfehlungswelle“ geradezu überschwenmmt werde, während eine, auch den Verriss nicht scheuende Literaturkritik weitgehend fehle. Leseempfehlungen würden begründet mit aktueller gesellschaftlicher und politischer Relevanz; stilistische und konzeptionelle Mängel blieben dem gegenüber unerwähnt oder unberücksichtigt. Joakim Zanders neuer Roman Der Bruder, der im Juli 2016 erschien, scheint mir durchaus ein aktuelles Beispiel zu sein, das in der Lage ist, diesen Eindruck zu bestätigen.…

Joachim Meyerhoff: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

Während sich am Ende des letzten Jahres der dritte Teil seines Erinnerungsprojekts „Alle Toten fliegen hoch“ mit dem Titel Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke in den oberen Plätzen der verschiedenen Bestsellerlisten etablierte, habe ich Joachim Meyerhoffs zweiten Roman dieses Zyklusses gelesen. Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war erschien 2013 und kam im letzten Jahr im Vorfeld des neuen Romans als Taschenbuch auf den Markt.…

Peter Richter: 89/90

Der Titel des Romans verweist lapidar auf das, worum es geht: grob gesagt um die letzten beiden Jahren der DDR zwischen Siechtum und Auflösung. Aha, so könnte man meinen, ein weiterer „Wenderoman“ oder zumindest einer, von dem man annimmt, man könne ihm mit dieser Kategorisierung beikommen. Nein, in eine Reihe von Romanen wie Eugen Ruges „In Zeiten des abnehmenden Lichts“, Lutz Seilers „Kruso“ oder Uwe Tellkamps“ Der Turm“ verbindet ihn zwar der äußerliche Umstand der alljährlichen Inszenierungen um die Frankfurter Buchpreisverleihung, denn 89/90 stand für 2015 immerhin auf der Longlist für den Preis.…

Christoph Wortberg: Der Ernst des Lebens…

Mein Bruder war ein Held.

So endet der Prolog von Christoph Wortmanns Jugendroman, der in wenigen Sätzen eine immer tiefgründigere Definition von Heldentum zu formulieren versucht und schließlich beim Bruder endet. Dann ist ja alles klar, könnte man meinen. Einen Erzähltext, der sich einreiht und Bezug nimmt auf eine hochkarätige Reihe von Bruderzwist-Geschichten habe ich als Leser wohl nicht zu erwarten.…