Schlagwort: Rowohlt

Eugen Ruge: Metropol

Wie anfangen? Wenn alle, so scheint es, gelobt haben. Wenn alles, so scheint es, gelobt wurde. Wenn man sich dem Loben nicht so recht anzuschließen vermag.

Der Wunsch war da und er war durchaus nicht klein, gar nichts zu Metropol zu schreiben, weil Aufschreibenswertes nicht einfiel. Dass man im Chor der Lobsängerinnen und Lobsänger nicht mitsingen kann, ist ja nicht zwingend eine Nachricht wert.…

Martin Walser: Mädchenleben

Werkzusammenhänge und mehr noch Werkentstehungszusammenhänge öffnen häufig den Blick für Fragen, die sich ansonsten so ohne weiteres nicht einstellen. Sie bieten der Leserin oder dem Leser Anregungen zum erweiterten Verständnis des Textes, die im gelingenden Fall mehr sind als bloße Übungen für germanistische oder literaturwissenschaftliche Analyseexerzitien und die nicht alleine interessant sind für eine Lesegemeinde, die sich auf alles stürzt, was ein Autor oder eine Autorin verfasst.…

Martin Walser: Gar alles oder Briefe an eine unbekannte Geliebte

Walser, Gar alles

In Martin Walsers philosophisch-religiösem Essay Über Rechtfertigung, eine Versuchung aus dem Jahr 2012 heißt es an einer Stelle lapidar: „Wer nur gerechtfertigt leben kann, kann nicht leben. Es sei denn, er könne seine Rechtfertigungsnot durch das Auflegen von Debussy-Platten narkotisieren.“ Da der Hauptfigur des jüngsten Walser-Prosatextes, der die meiste Zeit Justus Mall heißt, die ohnehin ironisch gebrochene Option nicht zur Verfügung steht, erscheint er als  tragikomisch daherkommender Mann von letztlich ganz trauriger Gestalt.…

Jochen Missfeldt: Solsbüll

Solsbüll

Der vergessene Roman

Bücher haben ihre Zeit, auch wenn die Halbwertszeit, in der ihnen Aufmerksamkeit geschenkt wird, immer kürzer zu werden scheint. Aber es gab und es gibt auch immer wieder Bücher, die kommen zur falschen Zeit. Beachtung finden sie kaum bis gar nicht; der Gedanke, wie wirksam sie sind, waren oder hätten sein können, erübrigt sich.…

Martin Walser; Jakob Augstein: Das Leben wortwörtlich. Ein Gespräch

Walser - Augstein

Was für ein Buch wird es denn werden?“, so heißt es gleich zu Beginn. Die Frage, die der Journalist dem Schriftsteller, der Jüngere dem Älteren, der Sohn dem Vater stellt, gilt, vom Ende her gesehen, auch dem Leser. Was für ein Buch ist es denn geworden?

„Ein Gespräch“, das will es der Untertitel zu verstehen geben.…

Laurent Binet: Die siebte Sprachfunktion

Binet, Sprachfunktion

Verbürgt ist der Unfalltod Roland Barthes‘. Am 25. Februar 1980 war der Schriftsteller und Intellektuelle von einem Kleintransporter überfahren worden und starb einen Monat später an den Folgen seiner schweren Verletzungen. Fiktion ist die Annahme, er habe das Manuskript eines Textes zu einer siebten Sprachfunktion  dabei gehabt, das nun verschwunden ist.…

Eugen Ruge: Follower

Eugen Ruge: Follower

1975 war ich vierzehn Jahre alt. SIcherlich beseelt von einigen pubertären Verblendungen, die ich ziemlich erfolgreich verdrängt habe. Aber ich bilde mir ein, mich doch einigermaßen wach durch die sich immer mehr erweiternden Weltläufte bewegt und von dem, was mich umgab, doch das Eine oder Andere mitbekommen zu haben. Ich erinnere mich nicht nur daran, dass Deutschland ein Jahr zuvor Fußballweltmeister geworden war oder dass ABBA mit ihrem Mamma Mia-Album ihren endgültigen musikalischen Durchbruch schafften und ihre Weltkarriere starteten.…

Joakim Zander: Der Bruder

Zander, Der Bruder

Der Berliner Literaturwissenschaftler und Publizist Walter Delabar schilderte kürzlich die Beobachtung, dass das Krimi-Genre von einer „Empfehlungswelle“ geradezu überschwenmmt werde, während eine, auch den Verriss nicht scheuende Literaturkritik weitgehend fehle. Leseempfehlungen würden begründet mit aktueller gesellschaftlicher und politischer Relevanz; stilistische und konzeptionelle Mängel blieben dem gegenüber unerwähnt oder unberücksichtigt. Joakim Zanders neuer Roman Der Bruder, der im Juli 2016 erschien, scheint mir durchaus ein aktuelles Beispiel zu sein, das in der Lage ist, diesen Eindruck zu bestätigen.…