Schlagwort: Suhrkamp

Christoph Hein: Verwirrnis

Hein, Verwirrnis

Verwirrnis ist ein Wort, das der Duden nicht verzeichnet. Eine Neuschöpfung also, so könnte man annehmen und sich über den scheinbaren Manierismus wundern. Warum nicht schlicht „Verwirrung“? Neu ist der Begriff aber nicht, im Gegenteil. Denn das Grimmsche Wörterbuch verzeichnet ihn noch, wenn auch nur mit einigen wenigen und außerdem sehr alten Belegstellen.…

Ralf Rothmann: Der Gott jenes Sommers

Rothmann, Gott jenes Sommers

I

Lesen weckt Vorstellungen, erzeugt Assoziationen und Gedanken, die dann auch wegvagabundieren können vom Gelesenen, sich in ein freies Feld bewegen der eigenen Erlebnisse, Erfahrungen und Einsichten. Gleichgültig, ob sie nun haltbar sind oder nicht. Im Schreiben aber über das Gelesene muss das Herumstreunen wieder gebändigt werden, damit das Geschriebene lesbar bleibt.…

Robert Menasse: Die Hauptstadt

Menasse, Die Hauptstadt

Das kann auch ins Auge gehen. Literarische Texte, die eine klar erkennbare Intention haben, die sich lesen lassen als Plädoyer für oder gegen etwas, laufen Gefahr, dass ihnen das genuin erzählerische Moment abhanden kommt, dass sie im ungünstigen Fall etwas Traktathaftes bekommen. Dann fragt man sich als Leser, warum der Autor denn nicht besser ein Sachbuch geschrieben hätte oder einen Essay.…

Christoph Hein: Trutz

Hein, Trutz

Christoph Hein gilt als „Chronist ohne Botschaft“. Diese Charakterisierung begleitet ihn seit Anfang der 90er Jahre und ist so fest mit ihm verbunden, dass immer wieder angenommen wurde, es handele sich dabei um eine Selbstbeschreibung Heins als Autor. Man hält sie für eine literaturästhetische Grundorientierung seines Schreibens, die sich bis in seine aktuellen Romane hinein beobachten lasse.…

Stephan Lohse: Ein fauler Gott

Lohese, fauler Gott

Es sei seinem Gehirn „wurscht“, ob er etwas erfinde oder erinnere, es fühle sich gleich an. So kommentiert Stephan Lohse die Frage nach dem tatsächlichen oder vermeintlichen Unterschied zwischen Erfindung und Erinnerung. Wem diese Unterscheidung gleichgültig ist, der schreibt keine Sachbücher, der schreibt auch keine (Auto-)Biographien, der verfasst Literatur. Im Falle von Stephan Lohses Debütroman „Ein fauler Gott“ ist das ein Glücksfall.…

Friedrich Ani: Nackter Mann, der brennt

Die Beschäftigung mit Verschwundenen – das ist, um es etwas flappsig auszudrücken, Friedrich Anis Ding. Er versteht es, daraus ebenso anspruchsvolle wie spannende Kriminalhandlungen zu entwickeln und zugleich zerrüttete Lebenszusammenhänge und gesellschaftliche Fehlentwicklungen ins Tageslicht zu rücken. So, dass man hinschauen kann, ja hinschauen muss.

Ein solch Verschwundener ist auch Ludwig Dragomir.…

Hans-Ulrich Treichel: Tagesanbruch

Treichel, Tagesanbruch

Quelle: By Juan M Romero (Own work) [CC BY-SA 4. (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia CommonsDie Pietà ist in der christlichen Bildkunst das Sujet, das am intensivsten den Schmerz und die Trauer der Mutter verkörpert, die ihr verstorbenes Kind beweint. Bis in mittelalterliche Vesperbilder zurückreichend ist der Aufbau der Bilder und Skulpturen nahezu identisch. Der verstorbene, gerade von Kreuz genommene Christus wird in den Schoß der Mutter gelegt oder liegt dort schon.…

Jürgen Becker: Jetzt die Gegend damals

Jürgen Becker Gegend

Der Titel ist Programm: Jetzt die Gegend damals. Jürgen Becker beweist in seinem letztes Jahr im August erschienenen Roman ein ausgesprochen sensibles Auge für die „Gegend“. Gegend ist all das, was ihn umgibt, vor allem aber Landschaften, Siedlungsformationen am Rande der Stadt und auf dem Land und natürlich die Menschen und Tiere, die sich in diesen Räumen bewegen.