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	Kommentare zu: Was bleibt, was liegen blieb 2016	</title>
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		<title>
		Von: wortsonate		</title>
		<link>https://www.peter-liest.de/was-bleibt-was-liegen-blieb-2016/#comment-160</link>

		<dc:creator><![CDATA[wortsonate]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Jan 2017 16:25:46 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Obwohl Henning Mankell als Autor nicht mag, habe ich schon viel von dem Buch den schwedischen Gummistiefel. Wenn es wirklich ist das es einen berührend ist, lese ich vielleicht doch.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Obwohl Henning Mankell als Autor nicht mag, habe ich schon viel von dem Buch den schwedischen Gummistiefel. Wenn es wirklich ist das es einen berührend ist, lese ich vielleicht doch.</p>
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		<title>
		Von: Peter Peters		</title>
		<link>https://www.peter-liest.de/was-bleibt-was-liegen-blieb-2016/#comment-159</link>

		<dc:creator><![CDATA[Peter Peters]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Jan 2017 09:00:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://www.peter-liest.de/was-bleibt-was-liegen-blieb-2016/#comment-158&quot;&gt;Michael&lt;/a&gt;.

Danke für die ausführliche Stellngnahme zum &quot;Überläufer&quot;. Ich bin beeindruckt von der Vielzahl entdeckter Anspielungen und Zusammenhänge.
Meine Frage nach dem Erfolg richtet sich aber weniger an die produktionsästhetische Ebene des Romans als vielmehr an eine diskursive Praxis, in die der Roman bei seinem Erscheinen 2106 eingebettet ist. Eine Frage, die wohl derzeit offen bleiben wird. Sei&#039;s drum.
Viele Grüße nach Zürich
Peter]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://www.peter-liest.de/was-bleibt-was-liegen-blieb-2016/#comment-158">Michael</a>.</p>
<p>Danke für die ausführliche Stellngnahme zum &#8222;Überläufer&#8220;. Ich bin beeindruckt von der Vielzahl entdeckter Anspielungen und Zusammenhänge.<br />
Meine Frage nach dem Erfolg richtet sich aber weniger an die produktionsästhetische Ebene des Romans als vielmehr an eine diskursive Praxis, in die der Roman bei seinem Erscheinen 2106 eingebettet ist. Eine Frage, die wohl derzeit offen bleiben wird. Sei&#8217;s drum.<br />
Viele Grüße nach Zürich<br />
Peter</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Michael		</title>
		<link>https://www.peter-liest.de/was-bleibt-was-liegen-blieb-2016/#comment-158</link>

		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Jan 2017 20:36:22 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Lieber Peter,
ich wollte mich zu Ihrem Beitrag über Siegfried Lenz &quot;Der Ueberläufer&quot; äussern. Zunächst einmal Ihre Verwunderung über den Erfolg des Buches abhaken. In der Tat ist das Buch auch meiner Meinung nach - sagen wir handwerklich nicht überragend. Manchmal habe ich das Gefühl, das Buch war noch nicht fertig und hätte hier und da etwas abspecken können, dann habe ich wieder das Gefühl, alles es so wie es sein sollte und der Plot ist einfach zu zäh man &quot;versumpft&quot; im wahrsten Sinne. Doch dann wiederum bin ich etwas überrascht, das in der Rezeption (vor allem auf Grund der Entstehungsgeschichte und des Motives von Dr. Görner, das Buch nicht veröffentlichen zu wollen, da SS Vergangenheit) das Buch so oberflächlich gelesen wird. Siegfried Lenz ist dafür bekannt, mehrer Ebenen miteinander  zu verknüpfen. Weiter ist der Titel seiner Romane immer auch ein Hinweis darauf, das es mehrere Deutungs-Möglichkeiten gibt. Vor allem aber legte Lenz immer wert darauf, die sogenannte &quot;Wahrheit&quot; seiner Geschichte dadurch in Frage zu stellen, da die Zeitlichkeit des Erinnerns und die Wahrnehmung der &quot;Ich-Erzähler&quot; (Proska sehe ich als solchen, auch wenn entsprechende Pronomen (noch) nicht verwendet wurden) immer verzerrt und verwässert sind. So auch wird es im Buch angedeutet, wenn Poppek und Zacharias das Spiegelbild des anderen im Fluss betrachten.
Die Initialzündung der Erzählungen sind immer Akte einer bestimmten Wahrnehmung. Das Schreiben des Aufsatzes in der &quot;Deutschstunde&quot; ist wohl das beste Beispiel, da die Geschichte beim Schreiben neu erschaffen wird und der Leser sich sicher sein kann, das die &quot;Wahrheit&quot; und die Fakten der Fiktion nicht deckungsgleich sein können. Bei der &quot;Schweigeminute ist es ähnlich. Und fast immer geht es, wie bei Lenz selbst, um die Auseinandersetzung der eigenen Vergangenheit. 
Warum wird dies beim Ueberläufer nicht berücksichtigt? Der Ueberläufer muss nicht nur auf das Desertieren Bezug nehmen. Pubertierende Wildschweine zum Beispiel werden auch als Ueberläufer bezeichnet und werden, damit das ökologische Gleichgewicht nicht leidet, alle zwei Jahre massenhaft geschossen. Poppek, der die Bäume zerstört - Angeln, die Ratte erschiessen, Proskas &quot;mir brauchen sie nur noch den Fangschuss geben&quot;, die Symbolischen Vergleiche zu Tieren wie Aboneit, der wie ein Reh schaut, der Oberschlesier, der selber wie ein echt aussieht usw. 
Mythologische Anspielungen wie Wanda, die sich in der Weichsel stürzt, Wodan, Willy und Ve (Loki), das Milchbrötchen, das doch seh an den Belzebub und Verführer erinnert, die Mongolenanspielungen und der Totenkult, der übrigens zur Sonnenwende etwas mit den sogenannten Hungergeistern zu tun hat, die, um sie zufrieden zu stellen nur Narung geben kann, indem man Flüssigkeit in ein Gefäss zum überlaufen bringt ... dies alles ist erst die Spitze des Eisbergs. Die Frage, ob Proska nicht stirbt und einen Fiebertraum hat (sein Greifen ins leere, der ständige Trigeminusschmerz - es nimmt kaum ein Ende. 
Ich habe das Buch nun schon sechs mal gelesen und muss sagen, das ich weniger das Gefühl habe, einen Kriegsroman zu lesen als viel mehr eine Art Kreuzworträtsel oder Detektivgeschichte, wobei man selbst der Detektiv als Leser mimt. Auch das passt zu Siegfried Lenz`s sogenannte Vorliebe, eine Art Komplizenschaft zwischen Leser und Story zu erzeugen. Auch nicht vergessen darf man Siegfried Lenz polnische Indentität unabhängig von historischer Korektheit, wann denn Ostpreussen zu welcher Nation gehört. Meine Eltern sind Oberschlesier und daher bin ich mir sehr darüber im Klaren, das in den polnischen Gebieten die slawisch-germanischen Mythen und Märchen eine grössere Rolle spielen als wir es hier und heute in Deutschland kennen. 
Ich habe unzählige Rezeptionen gelesen und noch nirgends etwas darüber gelesen, welche Ebenen beim Ueberläufer sonst noch eine Rolle spielen. 
Letztlich gibt Lenz sehr sporadische Hinweise, die ich am Anfang als Unzulänglichkeit abgetan habe, da ich mich nur über die ober-schlesische Mundart im Buch erfreute, wo ich dies so selten zu Gesicht bekomme. Kurt Rogalski wurde einmal von Proska gezielt getroffen und einmal wird gegen Ende gesagt, das er ihm in den Lauf gesprungen ist, was mehrere bezeugen konnten. Eine der beiden Behauptungen sind also falsch. Und von wegen Seiten wechseln. Bis auf Swedlow habe ich nicht im Buch feststellen können, das Proska mit Polen oder Russen kämpft. Sowohl der Offizier als auch der Schwabe sind Deutsche, mit denen er umherzieht in der Ostfront. Warum? &quot;Wer wird schiessen&quot; fragt der sterbende Soldat. Und genau das ist die Frage. 

Falls Interesse besteht, weiter zu philosophieren, bin ich gerne bereit dazu. Am 23.01. werde ich übrigens eine inoffizielle Fassung auf der Bühne in einer Schauspielschule der Schweiz aufführen. 

Liebe Grüsse,

Michael]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Peter,<br />
ich wollte mich zu Ihrem Beitrag über Siegfried Lenz &#8222;Der Ueberläufer&#8220; äussern. Zunächst einmal Ihre Verwunderung über den Erfolg des Buches abhaken. In der Tat ist das Buch auch meiner Meinung nach &#8211; sagen wir handwerklich nicht überragend. Manchmal habe ich das Gefühl, das Buch war noch nicht fertig und hätte hier und da etwas abspecken können, dann habe ich wieder das Gefühl, alles es so wie es sein sollte und der Plot ist einfach zu zäh man &#8222;versumpft&#8220; im wahrsten Sinne. Doch dann wiederum bin ich etwas überrascht, das in der Rezeption (vor allem auf Grund der Entstehungsgeschichte und des Motives von Dr. Görner, das Buch nicht veröffentlichen zu wollen, da SS Vergangenheit) das Buch so oberflächlich gelesen wird. Siegfried Lenz ist dafür bekannt, mehrer Ebenen miteinander  zu verknüpfen. Weiter ist der Titel seiner Romane immer auch ein Hinweis darauf, das es mehrere Deutungs-Möglichkeiten gibt. Vor allem aber legte Lenz immer wert darauf, die sogenannte &#8222;Wahrheit&#8220; seiner Geschichte dadurch in Frage zu stellen, da die Zeitlichkeit des Erinnerns und die Wahrnehmung der &#8222;Ich-Erzähler&#8220; (Proska sehe ich als solchen, auch wenn entsprechende Pronomen (noch) nicht verwendet wurden) immer verzerrt und verwässert sind. So auch wird es im Buch angedeutet, wenn Poppek und Zacharias das Spiegelbild des anderen im Fluss betrachten.<br />
Die Initialzündung der Erzählungen sind immer Akte einer bestimmten Wahrnehmung. Das Schreiben des Aufsatzes in der &#8222;Deutschstunde&#8220; ist wohl das beste Beispiel, da die Geschichte beim Schreiben neu erschaffen wird und der Leser sich sicher sein kann, das die &#8222;Wahrheit&#8220; und die Fakten der Fiktion nicht deckungsgleich sein können. Bei der &#8222;Schweigeminute ist es ähnlich. Und fast immer geht es, wie bei Lenz selbst, um die Auseinandersetzung der eigenen Vergangenheit.<br />
Warum wird dies beim Ueberläufer nicht berücksichtigt? Der Ueberläufer muss nicht nur auf das Desertieren Bezug nehmen. Pubertierende Wildschweine zum Beispiel werden auch als Ueberläufer bezeichnet und werden, damit das ökologische Gleichgewicht nicht leidet, alle zwei Jahre massenhaft geschossen. Poppek, der die Bäume zerstört &#8211; Angeln, die Ratte erschiessen, Proskas &#8222;mir brauchen sie nur noch den Fangschuss geben&#8220;, die Symbolischen Vergleiche zu Tieren wie Aboneit, der wie ein Reh schaut, der Oberschlesier, der selber wie ein echt aussieht usw.<br />
Mythologische Anspielungen wie Wanda, die sich in der Weichsel stürzt, Wodan, Willy und Ve (Loki), das Milchbrötchen, das doch seh an den Belzebub und Verführer erinnert, die Mongolenanspielungen und der Totenkult, der übrigens zur Sonnenwende etwas mit den sogenannten Hungergeistern zu tun hat, die, um sie zufrieden zu stellen nur Narung geben kann, indem man Flüssigkeit in ein Gefäss zum überlaufen bringt &#8230; dies alles ist erst die Spitze des Eisbergs. Die Frage, ob Proska nicht stirbt und einen Fiebertraum hat (sein Greifen ins leere, der ständige Trigeminusschmerz &#8211; es nimmt kaum ein Ende.<br />
Ich habe das Buch nun schon sechs mal gelesen und muss sagen, das ich weniger das Gefühl habe, einen Kriegsroman zu lesen als viel mehr eine Art Kreuzworträtsel oder Detektivgeschichte, wobei man selbst der Detektiv als Leser mimt. Auch das passt zu Siegfried Lenz`s sogenannte Vorliebe, eine Art Komplizenschaft zwischen Leser und Story zu erzeugen. Auch nicht vergessen darf man Siegfried Lenz polnische Indentität unabhängig von historischer Korektheit, wann denn Ostpreussen zu welcher Nation gehört. Meine Eltern sind Oberschlesier und daher bin ich mir sehr darüber im Klaren, das in den polnischen Gebieten die slawisch-germanischen Mythen und Märchen eine grössere Rolle spielen als wir es hier und heute in Deutschland kennen.<br />
Ich habe unzählige Rezeptionen gelesen und noch nirgends etwas darüber gelesen, welche Ebenen beim Ueberläufer sonst noch eine Rolle spielen.<br />
Letztlich gibt Lenz sehr sporadische Hinweise, die ich am Anfang als Unzulänglichkeit abgetan habe, da ich mich nur über die ober-schlesische Mundart im Buch erfreute, wo ich dies so selten zu Gesicht bekomme. Kurt Rogalski wurde einmal von Proska gezielt getroffen und einmal wird gegen Ende gesagt, das er ihm in den Lauf gesprungen ist, was mehrere bezeugen konnten. Eine der beiden Behauptungen sind also falsch. Und von wegen Seiten wechseln. Bis auf Swedlow habe ich nicht im Buch feststellen können, das Proska mit Polen oder Russen kämpft. Sowohl der Offizier als auch der Schwabe sind Deutsche, mit denen er umherzieht in der Ostfront. Warum? &#8222;Wer wird schiessen&#8220; fragt der sterbende Soldat. Und genau das ist die Frage. </p>
<p>Falls Interesse besteht, weiter zu philosophieren, bin ich gerne bereit dazu. Am 23.01. werde ich übrigens eine inoffizielle Fassung auf der Bühne in einer Schauspielschule der Schweiz aufführen. </p>
<p>Liebe Grüsse,</p>
<p>Michael</p>
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