Schlagwort: Novelle

Martin Walser: Ein fliehendes Pferd

Sitzt man an einem der Außentische eines der zahlreichen Cafés an der Überlinger Seepromenade, gleich dort am Rand, wo sich die Jogger, Flaneure, Touristen vorbei bewegen, und beginnt, Martin Walsers Novelle Ein fliehendes Pferd zu lesen, so kann man sich das Aufschauen sparen. Der Blick ins Buch sieht mehr, Genaueres, und das beiläufig.…

Theodor Fontane: L’Adultera

Fontane, L'Adultera

Machen wir uns doch nichts vor! Die Frau, die Mann und Kinder verlässt, hat es ungleich schwerer, dass die Öffentlichkeit ihrem Verhalten Verständnis entgegenbringt, als der Mann, der sich von seiner Familie abwendet. Schnell steht ein vermeintlicher Anspruch auf Rechtfertigung im Raum. Schneller entsteht ein moralischer Vorbehalt, ein zweifelndes Muss-das-denn-sein?, wenn nicht ein empörtes Wie-kann-man-nur!.

Theodor Fontane: Grete Minde. Nach einer altmärkischen Chronik

Fontane, Grete Minde

Die Erinnerung trügt, fast immer. Dieser Umstand ist von solcher Gewissheit, dass es schon fast peinlich wirkt, wenn jemand meint, darauf einmal mehr hinweisen zu müssen. Was anderes aber ist der Moment, in dem das Trügerische der Erinnerung bewusst wird. Ein Zögern entsteht, sei es in der Bewegung, die gerade ausgeführt wird, sei es in dem Satz, den man aussprechen will und nicht zu Ende bekommt, sei es im Gedanken, den man nicht halten kann.…

Heinrich von Kleist: Die Marquise von O…

Kleist, Marquise

Irgendetwas hindert daran, der Marquise von O…, dieser „Dame von vortrefflichen Ruf, und Mutter von mehreren wohlerzogenen Kindern“, wie es gleich am Anfang der Erzählung heißt, zu trauen. Was dieses Misstrauen auslöst, ist schwer zu beschreiben, vielleicht nur zu umkreisen.

Da macht zuerst der Erzähleinstieg stutzig. Warum wird gleich zu Beginn so dick aufgetragen?…