Warum ich lese

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Im Mai veröffentlichte Sandro Abbate auf seinem Blog novelero einen sehr persönlichen Artikel, in dem er der Frage nachging, warum er liest. Dieser Beitrag erfuhr unter Buch- und Literaturbloggern eine große Resonanz. In deren Folge wurden eine Vielzahl von Beiträgen veröffentlicht, in der sich die Autoren mit ihrer eigenen Lesebiographie beschäftigten. Entstanden sind ganz unterschiedliche Perspektiven auf die Bedeutung des Lesens, die sich, so verschieden sie mit der Frage „Warum lese ich?“ umgingen, in einem Punkt zusammenlaufen: ihrer Liebe zur …

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Sander Kollaard: Stadium IV

S. Kollaard, Stadium IV

Nicht umsonst prägen die Farben Blau und Gelb, die Nationalfarben Schwedens, den Umschlag. Es zeigt ein Rapsfeld in voller Blüte. Die Kameraperspektive suggeriert dem Betrachter einen harten Übergang zwischen Land und Wasser, genauer und wenn man weiß, dass das Motiv auf Öland fotografiert wurde, zwischen Küste und Meer. Schweden, Öland – das ist der Sehnsuchtsraum für das Ehepaar Sarie und Barend Vervoort. Dorthin kehren sie zurück und erinnern sich an die Ursprünge ihrer Liebe, sie vergewissern sich ihrer Liebe noch …

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Jürgen Becker: Jetzt die Gegend damals

Jürgen Becker Gegend

Der Titel ist Programm: Jetzt die Gegend damals. Jürgen Becker beweist in seinem letztes Jahr im August erschienenen Roman ein ausgesprochen sensibles Auge für die „Gegend“. Gegend ist all das, was ihn umgibt, vor allem aber Landschaften, Siedlungsformationen am Rande der Stadt und auf dem Land und natürlich die Menschen und Tiere, die sich in diesen Räumen bewegen. Zugleich aber weiß dieses Auge auch immer um das Gewachsensein dieser Räume, um ihre Veränderungen und um das Hineinragen von Geschichte. Das …

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Michael Köhlmeier: Das Mädchen mit dem Fingerhut

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Erst am Ende gibt Michael Köhlmeier die bis dahin weitgehend durchgehaltene Erzählperspektive auf, wird auktorial und appelliert an den Leser: Wenn es wahr ist, dass an Gottes rechter Seite sein Liebling steht, bei allem, was er tut, was er pflanzt und segnet, wenn das wahr ist, so hör die Schritte, die kleinen, die großen, das Trippeln und das Stampfen! Warte, bis sich deine Augen an die Dunkelheit gewöhnen! Und nun? Kannst du sie sehen? Kannst du sie beide sehen? Derjenige, …

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Hans Platzgumer: Am Rand

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HITOTSU – das ist das erste Wort der fünf Grundregeln des Karate. In diesen sogenannten Dōjōkuns verbirgt sich fast die gesamte Ethik des ostasiatischen Kampfsports; sie betonen gerade nicht das Kämpferische, sondern Respekt, Disziplin und Charakterstärke. HITOTSU bedeutet in diesem Zusammenhang so viel wie „erstens“ und signalisiert, dass alles gleich wichtig ist. HITOTSU – so beginnt dann auch jedes Kapitel des Romans Am Rand; dessen Bedeutung erschließt sich in Laufe der Handlung. HITOTSU – das gleich Wichtige wird aber nicht …

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Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit

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Es ist bekannt, vielleicht; es bewegt, zumeist: Mondnacht Es war, als hätt‘ der Himmel Die Erde still geküsst, Daß sie im Blüten-Schimmer Von ihm nun träumen müßt‘. Die Luft ging durch die Felder, Die Ähren wogten sacht, Es rauschten leis die Wälder, So sternklar war die Nacht. Und meine Seele spannte Weit ihre Flügel aus, Flog durch die stillen Lande, Als flöge sie nach Haus. Und was hat das Eichendorff-Gedicht mit dem Roman zu tun? Ich schloss die Augen. Es …

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Peter Stamm: Weit über das Land

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Las man die Vorankündigungen seitens des Verlags zum neuen Roman von Peter Stamm oder wirft man einen Blick auf den Klappentext, so steigt im Leser vielleicht die Ahnung, bei dem einen oder anderen auch die Befürchtung auf, man höre beim Lesen im inneren Ohr immer das Mundharmonika-Solo aus Udo Jürgens‘ Evergreen „Ich war noch niemals in New York“. Bei aller Wertschätzung für Udo Jürgens wie auch für dieses Lied verflüchtigt sich beim Lesen des Romans diese Assoziation aber schnell – …

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Burkhard Spinnen: Die letzte Fassade

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Vorsicht, persönliche Betroffenheit! Einzelne Texte von Burkhard Spinnen kannte ich sicherlich, auch wenn mir spontan kein Titel einfällt. Aber ich habe zuvor nie ein Buch von ihm gelesen. Das spricht nicht gegen den Autor, das bezeugt nur meine selektive Wahrnehmung. Dann hörte ich Ende letzten/Anfang diesen Jahres einen Podcast der Sendereihe Deutschlandradio Kulturfragen, in dem Spinnen zum Thema Sterbehilfe interviewt wurde. Was macht ihn, so fragte ich mich, zu einem Mann, der zu diesem Thema profund Auskunft geben kann? Die …

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