Jahr: 2020

Robert Seethaler: Der letzte Satz

Seethaler, Der letzte Satz

„Es ist schön“, sagte Mahler. „Man müsste es nur zu fassen kriegen.“

I

Spätestens mit Seethalers letztem Roman Das Feld (2018) war dem Leser seiner Texte klar, dass die Auseinandersetzung mit dem Tod ein zentrales Moment seines Erzählens ist.

Während der Lektüre lange Zeit der Gedanke, nichts über Der letzte Satz schreiben zu können, weil dazu nichts einfällt.…

Norbert Scheuer: Am Grund des Universums

Wer von Kall aus zur Staumauer eines der Stauseen des Wasserbands Eifel-Rur fahren möchte, legt knapp zwanzig Kilometer zurück. So seenreich die Nordeifel aufgrund der Stauseen und Rückhaltebecken auch ist, in unmittelbarer Nähe von Kall sucht man ein solches Gewässer vergeblich. Zumindest in der Umgebung des real existierenden Eifelstädtchens findet sich nichts dergleichen.…

Ingo Schulze: Die rechtschaffenen Mörder

Bücher, die über die Macht des Buches handeln, zumindest solche, die fiktionaler Art sind, finden nur in den allerseltensten Fällen mein Interesse. Ich erinnere mich an deutlich mehr Bücher, die ich nur aus Höflichkeit zu Ende gelesen habe oder las, weil alle sie lasen, oder – im Regelfall – schnell weggelegt habe, als an solche, die mir ein großes Lesevergnügen bereiteten.…

Jan Costin Wagner: Sommer bei Nacht

Der Reflex war erwartbar. In den Feuilletonbesprechungen, die zeitnah zum Erscheinen von Sommer bei Nacht veröffentlicht wurden, wurde es augenscheinlich. Die Frankfurter Rundschau titelte am 13.02.2020: „Ermittler mit pädophiler Neigung“. Einen Tag später stellte Deutschlandfunk Kultur Jan Costin Wagners neuen Roman mit der Schlagzeile vor: „Ein Pädophiler auf der Jagd nach einem Pädophilen“.…

Gøhril Gabrielsen: Die Einsamkeit der Seevögel

Die Aufgabe, die ich mir gestellt habe, ist klar und konkret,
ich muss mich nur auf Fakten konzentrieren. […]
Der Anblick ist überwältigend. Hier sind wir.
Ich und die Elemente in der Welt. Vereint.

Schnörkelloser ist der Titel des Romans im norwegischen Original: „Ankomst“, wohl am schlichtesten und dennoch richtig mit ‚Ankunft‘ übersetzt.…

Peggy Mädler: Legende vom Glück des Menschen

Ich bin mir nicht sicher, ob man von einem Tag,
der vergangen ist, noch etwas anderes
wissen kann – als eine Geschichte.

Auf dem Umschlag mäandert ein blaues Garnknäuel durch das Bild und verbindet Vorder- und Hintergrund. Drei FIguren befinden sich auf der Linie, die der Faden beschreibt. Die Frau mit dem Koffer im Hintergrund wendet dem Betrachter den Rücken zu und scheint das Bild nach hinten verlassen zu wollen.…

Eugen Ruge: Metropol

Wie anfangen? Wenn alle, so scheint es, gelobt haben. Wenn alles, so scheint es, gelobt wurde. Wenn man sich dem Loben nicht so recht anzuschließen vermag.

Der Wunsch war da und er war durchaus nicht klein, gar nichts zu Metropol zu schreiben, weil Aufschreibenswertes nicht einfiel. Dass man im Chor der Lobsängerinnen und Lobsänger nicht mitsingen kann, ist ja nicht zwingend eine Nachricht wert.…