Jahr: 2017

Jahrestag Null Zwei

Jahrestag 02

Das zweite Jahr war anders, irgendwie. Ausschärfender, nüchterner, vielleicht verhaltener, wenn es um die Bloginhalte ging, routinierter, vielleicht gleichgültiger, wenn die Bloggestaltung ins Blickfeld geriet. Manches gelang, manches nicht, manches steht aus. Ein Rückblick, ein Geburtstag.

Erinnerungen täuschen manchmal schon nach kurzer Zeit. Meinen ersten Post vor zwei Jahren hatte ich gedanklich in den September eingeordnet, und erst als ich bei ersten Vorüberlegungen, was ich, wenn ich es denn wollte, in diesem Jahr schreiben könnte, meinen Erstgeburtstagsbeitrag aus dem letzten Jahr las, kamen genauere Erinnerungen wieder hoch.…

Volker Kutscher: Der stumme Tod

Kutscher, der stumme Tod

Der Tonfilm steckt 1930 trotz erster Kinoerfolge noch in den Kinderschuhen, die Insulintherapie für Diabetiker auch. Sie war erst acht Jahre zuvor erstmalig entwickelt und eingesetzt worden. Doch was hat beides miteinander zu tun? Wer mehr wissen will, lese Volker Kutschers zweiten Kriminalroman aus der Gereon-Rath-Reihe Der stumme Tod (2009).…

Dirk Kurbjuweit: Die Freiheit der Emma Herwegh

Kurbjuweit, Emma Herwegh

Fragt man jemanden, der gerade vorübergeht, welches Gedenkjahr wir in diesem Jahr in Deutschland feiern, so wird, insofern man überhaupt eine Antwort erhält, wohl auf die Reformation und auf Martin Luther hingewiesen werden. Hierzulande denkt man die Reformation als identitätsstiftendes Ereignis, auf religiöser, auf nationaler und ab und an auf europäischer Ebene.…

Patrick McGinley: Bogmail

McGinley, Bogmail

Irland, wo es am Irischsten ist! Der Satz ist ein Klischee, wie aus einem schlechten Reiseführer. Er wird nicht besser dadurch, dass ihn jemand ausspricht, der noch nie in Irland war. Aber wie soll man auch nicht auf solche Vorstellungen kommen! Die Romanhandlung von Bogmail spielt im County Donegal, knapp 300 Kilometer nordwestlich von Dublin.…

Eckhard Fuhr: Schafe. Ein Portrait

Fuhr, Schafe

Sachbücher finden selten Berücksichtigung auf diesem Blog, da muss es schon einen besonderen Grund geben. Das kann das Thema sein, dessen Darstellung oder auch die besondere Buchgestaltung. Kommt alles zusammen, dann kann ein solches Sachbuch eine Wirkung entfalten, die es von Literatur kaum unterscheidet. Es facht Erinnerungen an, erzeugt Vorstellungsbilder, macht sensibler für die gegenwärtige Umwelt und entwirft eine Perspektive ins Morgen.…

Dominique Paravel: DIe Schönheit des Kreisverkehrs

Paravel, Kreisverkehr

Giratoire – Kreisverkehr. Dessen vermeintliche „Schönheit“, auf die der deutschsprachige Titel hinweist, spielt im Originaltitel keine Rolle und wird durch diesen Verzicht der Romanhandlung in höherem Maße gerecht als die Adaption. Der Titel Die Schönheit des Kreisverkehrs suggeriert eine ästhetische Erfahrung, die die beiden Hauptfiguren nicht erleben – und der Leser auch nicht.…

Christoph Ransmayr: Cox oder Der Lauf der Zeit

Ransmayr, Cox

Rund 300 Seiten, gelesen in mehr als zwei Wochen, im Durchschnitt also kaum mehr als 15 Seiten pro Tag. Dazu meistens auch erst abends, zum größten Teil im Bett, müde, vor allen Dingen dann, wenn die Augen zuzufallen drohen, kaum noch konzentriert. Details werden dann nur noch verschwommen wahrgenommen, ab und an ist es sogar schwer, sich beim Wiederaufschlagen an den Handlungsfaden zu erinnern.…

Jonas Lüscher: Kraft

Lüscher, Kraft

Botho von Rienäcker, Diederich Heßling, Hans Castorp, Hans Schnier, Anselm Kristlein, Gesine Cresspahl oder auch Michael Berg – man muss diese Namen nur langsam aussprechen, dabei ein wenig den eigenen Gesichtsmuskeln nachspüren und schon entsteht eine Vorstellung, wie jemand aussieht, der so heißt. Mit dem Namen entsteht ein Bild, das da ist, bevor man im Roman etwas über die Figur liest, verfolgt, wie sie sich entwickelt, was mit ihr geschieht.…

Christoph Hein: Trutz

Hein, Trutz

Christoph Hein gilt als „Chronist ohne Botschaft“. Diese Charakterisierung begleitet ihn seit Anfang der 90er Jahre und ist so fest mit ihm verbunden, dass immer wieder angenommen wurde, es handele sich dabei um eine Selbstbeschreibung Heins als Autor. Man hält sie für eine literaturästhetische Grundorientierung seines Schreibens, die sich bis in seine aktuellen Romane hinein beobachten lasse.…

Pieter Steinz: Der Sinn des Lesens

Pieter Steniz, Lesen

Eines Tages geschieht das vielleicht Unvermeidliche. An den an einer seltenen, unheilbaren Krankheit leidenden Mann, der eine öffentlich bekannte Person ist, tritt die Mitarbeiterin einer Stiftung heran, die sich zum Ziel gesetzt hat, diese Krankheit stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Das Anliegen ist ehrenwert, hängen an der Publicity im Regelfall doch Spenden und damit dann auch wieder Fördergelder für die weitere Erforschung der Krankheit und ihrer Therapie.…

Stephan Lohse: Ein fauler Gott

Lohese, fauler Gott

Es sei seinem Gehirn „wurscht“, ob er etwas erfinde oder erinnere, es fühle sich gleich an. So kommentiert Stephan Lohse die Frage nach dem tatsächlichen oder vermeintlichen Unterschied zwischen Erfindung und Erinnerung. Wem diese Unterscheidung gleichgültig ist, der schreibt keine Sachbücher, der schreibt auch keine (Auto-)Biographien, der verfasst Literatur. Im Falle von Stephan Lohses Debütroman „Ein fauler Gott“ ist das ein Glücksfall.…

Martin Walser in Aachen Eine Verbeugung

Walser, Beitrag03

Die „Bühne“ ist die größte der drei Spielstätten des Theaters Aachen. Dort finden auf drei Ebenen, dem Parkett sowie dem ersten und zweiten Rang, rund 730 Zuschauer Platz. Der Zuschauerraum hat viel Höhe, vergleichsweise wenig Tiefe. Dieser Umstand ist den Vorstellungen von Theaterarchitektur im frühen 19. Jahrhunderts geschuldet (das Haus wude 1825 eröffnet) und wurde auch nicht grundlegend verändert, als das Theater, nach einem schweren Bombenangriff 1943 vollkommen zerstört, acht Jahre später, 1951, wieder seinen Betrieb aufnehmen konnte.…

Laurent Binet: Die siebte Sprachfunktion

Binet, Sprachfunktion

Verbürgt ist der Unfalltod Roland Barthes‘. Am 25. Februar 1980 war der Schriftsteller und Intellektuelle von einem Kleintransporter überfahren worden und starb einen Monat später an den Folgen seiner schweren Verletzungen. Fiktion ist die Annahme, er habe das Manuskript eines Textes zu einer siebten Sprachfunktion  dabei gehabt, das nun verschwunden ist.…

Jean-Christophe Rufin: Das rote Halsband

Rufin, Halsband

Der 1. Weltkrieg ist seit zwei Jahren vorbei. Wir befinden uns in einer französische Kleinstadt, die reichlich südliches Flair ausstrahlt. Auf den großen Platz mitten in der Stadt lastet eine drückende Hitze, ein Platz, der auf der einen Seite von typischen städtischen Gebäuden, auf der anderen Seite von einer Kaserne eingefasst wird.…